Unsere Lichtweinprobe - Hinters Licht geführt
Lichtweinprobe
Kann Licht beeinflussen, wie wir einen Wein wahrnehmen? Genau dieser Frage sind wir bei einem besonderen Experiment an der Bergstraße nachgegangen: zwei Weine – einmal Weißwein, einmal Rotwein – trafen auf 14 unterschiedliche Licht- und Geschmacksvarianten.
Denn hinters Licht geführt zu werden, muss nicht immer etwas Negatives sein.
Hinter Licht verbirgt sich weit mehr als Helligkeit. Seine Qualität, Zusammensetzung und Wirkung beeinflussen, wie wir unsere Umgebung wahrnehmen. Farben verändern sich, Atmosphären entstehen und ein Raum kann unter verschiedenen Lichtbedingungen vollkommen unterschiedlich wirken.
Um diesem Phänomen auf die Spur zu kommen, haben wir das Licht deshalb nicht nur betrachtet – sondern gemeinsam mit Wein verkostet.
Das Experiment: Zwei Weine, 14 unterschiedliche Varianten und eine zentrale Frage: Welchen Einfluss hat Licht auf unsere Wahrnehmung?
Was haben Licht und Wein miteinander zu tun?
Auf den ersten Blick erscheinen Lichtplanung und Weinverkostung als zwei vollkommen unterschiedliche Themen.
Tatsächlich haben beide jedoch viel mit Wahrnehmung zu tun.
Beim Wein beeinflussen Farbe, Geruch, Geschmack und Umgebung den Gesamteindruck. Gleichzeitig nehmen wir unsere Umgebung niemals unabhängig vom vorhandenen Licht wahr.
Licht bestimmt, wie Farben erscheinen, welche Kontraste wir erkennen und welche Atmosphäre ein Raum vermittelt.
Was passiert also, wenn sich während einer Weinverkostung das Licht verändert?
Licht ist mehr als Helligkeit
Professionelle Lichtplanung beschäftigt sich nicht ausschließlich mit der Frage, wie hell ein Raum sein muss.
Mindestens genauso interessant ist die Qualität des Lichts.
Je nach Zusammensetzung und Charakter des Lichts kann sich die Wahrnehmung unserer Umgebung verändern. Materialien, Oberflächen, Lebensmittel und Getränke können unter unterschiedlichen Lichtbedingungen anders erscheinen.
Genau diese Wirkung wollten wir mit unserem Experiment erlebbar machen.
Zwei Weine und 14 unterschiedliche Varianten
Für die Verkostung wurden zwei Weine ausgewählt: ein Weißwein und ein Rotwein.
Diese wurden unter insgesamt 14 unterschiedlichen Varianten verkostet.
Das Ziel war dabei keine klassische Weinbewertung.
Vielmehr sollte unmittelbar erfahrbar werden, welche Rolle die Umgebung und insbesondere das Licht bei unserer Wahrnehmung spielen können.
Lichtqualität wird zum Erlebnis
Über Lichtqualität lässt sich viel sprechen.
Noch interessanter ist es jedoch, unterschiedliche Lichtwirkungen selbst zu erleben.
Die Verbindung mit einer Weinverkostung macht ein abstraktes lichttechnisches Thema unmittelbar zugänglich: Die Teilnehmer können ihre eigene Wahrnehmung beobachten und unterschiedliche Situationen miteinander vergleichen.
Damit wird aus Lichttechnik ein Experiment für die Sinne.
Wenn Licht unsere Wahrnehmung verändert
Das Experiment verdeutlicht einen grundlegenden Gedanken unserer Arbeit als Lichtplaner:
Wir nehmen nicht nur das Licht wahr – wir nehmen unsere Umgebung durch das Licht wahr.
Genau deshalb spielt die Qualität der Beleuchtung in Architektur und Innenräumen eine so wichtige Rolle.
Ob Restaurant, Büro, Museum, Verkaufsraum oder privater Wohnraum: Die Auswahl und Planung des Lichts beeinflusst immer auch die Wahrnehmung dessen, was sich innerhalb eines Raums befindet.
Bei unserer Verkostung wurde der Wein zum Medium, um diese Zusammenhänge auf ungewöhnliche Weise erlebbar zu machen.
Licht und Wein an der Bergstraße
Für uns als Lichtgestalter aus Zwingenberg lag es nahe, das Thema Licht mit einem Produkt zu verbinden, das untrennbar mit unserer Heimatregion verbunden ist: Wein von der Bergstraße.
Aus dem Experiment entstand schließlich auch eine redaktionelle Geschichte.
Der Journalist Thomas Tritsch begleitete das Thema gemeinsam mit Johannes Bürkle und Jan Faber von Simon + Bürkle. Die Bilder stammen von Sascha Lotz.
Der dazugehörige Artikel erschien am 1. September 2016 in einer Beilage des Bergsträßer Anzeigers anlässlich des 79. Bergsträßer Winzerfests.
Licht verkosten – Lichtqualität anders erleben
Mit unserer Weinverkostung wollten wir zeigen, dass Lichtqualität nicht ausschließlich über technische Daten beschrieben werden muss.
Man kann Licht erleben.
Und manchmal kann man es sogar verkosten.
Zwei Weine und 14 unterschiedliche Varianten machten aus einem lichttechnischen Thema ein Experiment rund um Wahrnehmung, Atmosphäre und Genuss.
Das Projekt steht damit exemplarisch für unsere Beschäftigung mit der Frage, was gutes Licht eigentlich ausmacht – und wie stark Licht beeinflussen kann, wie wir unsere Umgebung erleben.
Hinter diesem Link ist „Hinters Licht Geführt“
(Artikel aus dem Bergsträßer Anzeiger, Beilage zum 79. Bergsträßer Winzerfest, vom 01.09.2016)